
Liebe Velberterinnen, liebe Velberter,
der mächtigste Mensch Deutschlands, Bundeskanzler Friedrich Merz, hat einen Stellvertreter: Vizekanzler Lars Klingbeil. Der mächtigste Mensch der Welt, US-Präsident Donald Trump, hat einen Stellvertreter: Vizepräsident J.D. Vance. Selbst der liebe Gott hat - jedenfalls nach der katholischen Lehre - mit Papst Leo XIV nur einen Stellvertreter auf Erden.
Aus Sicht eines Velberters ist das alles sehr bescheiden (was beim lieben Gott nicht unbedingt überrascht, bei Donald Trump schon). Denn in unserem beschaulichen Städtchen hat der Bürgermeister gleich vier Stellvertreter: einen für die Leitung der Verwaltung und gleich drei für repräsentative Aufgaben und für die Leitung des Rates. Aber es kommt noch besser: so hat zum Beispiel der Vorsitzende des Verwaltungsrates der Technischen Betriebe nicht nur einen Stellvertreter, sondern auch einen Stellvertreter des Stellvertreters und auch noch einen Stellvertreter des Stellvertreters des Stellvertreters. So ähnlich ist das Bild in vielen anderen kommunalen Gremien. Nun wäre diese sagenhafte Inflation von Stellvertreterpöstchen für mich absolut O.K., wenn es nur um schöne Titel für die Visitenkarte ging (wer´s braucht....). Aber nein, natürlich gehen diese vielen Pöstchen stets mit einer kleinen zusätzlichen Entschädigung einher. Auch wenn man den Sitzungsleiter gar nicht vertreten musste.
Klingt etwas verrückt, oder?
Genau so verrückt, dass wir nun den grössten Stadtrat der Stadtgeschichte haben (80 Mitglieder!) und den grössten Verwaltungsvorstand seit 1975. Denn gleichzeitig befindet sich die Stadt Velbert in der tiefsten Finanzkrise der Nachkriegszeit: quasi überschuldet und mit einem jährlichen Minus von 20 Mio € - mit steigender Tendenz. Das ist wohlgemerkt meines Erachtens weder die Schuld des Stadtrates, des Bürgermeisters oder der vielen Stellvertreter, sondern Folge einer unverantwortlichen und ignoranten Bundes- und Landespolitik. Und klar ist auch, dass die Einsparung von ein paar Pöstchen noch nicht einmal die berühmten Tropfen auf dem heißen Stein wären.
Fakt ist aber auch: Velbert steht vor sehr schweren Zeiten und die Stadt wird den Bürgern in nächster Zeit viel abverlangen müssen. Das könnten weitere Steuererhöhungen, Leistungseinschränkungen, die Streichung von Projekten, Personaleinsparungen oder alles gleichzeitig sein.
Das wird dann sicher lustig, wenn die Stadt Bürger und Unternehmen für weniger Leistung stärker zur Kasse bittet, selbst aber mehr Posten und Pöstchen schafft als die gesamte K.u.K. - Monarchie in Österreich-Ungarn zu besten Sissi - Zeiten hatte.
Also: wenn wir nicht wollen, dass der Frust von Bürgern und Unternehmen auf "die da oben" noch grösser wird, wenn wir nicht wollen, dass die Kluft in unserer Gesellschaft noch tiefer wird und wenn wir nicht wollen, dass das letzte bisschen Rest an Verständnis und Respekt für die Kommunalpolitik verloren geht, müssen wir endlich handeln.
Handeln und auch an der Politik im Rathaus sparen. Die Vorschläge dazu liegen längst auf dem Tisch. Die Wählergemeinschaft UVB beantragt jetzt aktuell , zwei Stellvertreter des Bürgermeisters einzusparen.
Gut so, hat meine Unterstützung!
Die Wählergemeinschaft Velbert anders hat zumindest die Einsparung des 3. Stellvertreters schon vor zwei Monaten beantragt. Der Antrag wurde ohne Aussprache abgelehnt. Vielleicht hat die UVB jetzt mehr Erfolg, schließlich hat es bei der Verteilung der stellvertretenden Bürgermeisterposten nicht ganz so geklappt, wie es die Ratsmehrheit aus CDU, Grünen und FDP vorher ausgeklüngelt hatte.....
Wir werden sehen. Vor allem aber dürfen wir bei diesem symbolischen Schritt nicht stehen bleiben. Es gibt noch viele weitere Potentiale und spätestens zu den Haushaltberatungen wird es dazu sicher viele gute Anträge und Ideen geben. Vielleicht haben Sie ja auch Ideen und Anregungen? Dann schreiben Sie mir diese gerne an freitag@velbert-anders.de. Sinnvolle und ernst gemeinte Vorschläge trage ich in den zuständigen Gremien vor - versprochen!
Für heute wünsche ich Ihnen erstmal ein entspanntes Wochenende.
Bis bald, Ihr Stefan Freitag.