freitagsgedanken - zum "Quartier U" und der Kunst, am Problem vorbeizuplanen

stefan

Liebe Velberterinnen, liebe Velberter,

heute soll es um die Zukunft der Velberter Unterstadt gehen. Dort entsteht gerade Großes. Sehr Großes. Zumindest auf dem Papier. Sage und schreibe 125 Seiten umfasst das sogenannte "Integrierte Stadtentwicklungskonzept für das Quartier U", das am Dienstag im Stadtrat beschlossen werden soll. Warum die Unterstadt plötzlich "Quartier U" heißt, weiß ich nicht. Vielleicht steht das U aber auch für "umfangreich" oder "unübersichtlich" - das würde beides zum Konzept passen. Wahrscheinlich ist es aber einfach schlechtes Marketing.

Eines vorweg: dass sich überhaupt endlich etwas in der Unterstadt bewegen soll, ist richtig und überfällig! Lange genug ist dort zu wenig passiert. Zu viele Jahre hat man zugesehen, wie insbesondere die untere Friedrichstraße immer weiter verfallen ist. Dass nun investiert werden soll, ist deshalb ausdrücklich zu begrüßen.

Nur: wenn man sich die lange Liste der Maßnahmen anschaut, beschleicht mich ein leiser Verdacht. Vielleicht sogar ein ziemlich lauter. 

Es sind schlicht zu viele.

Sage und schreibe 28 Einzelmaßnahmen werden dort aufgeführt. Geschätzte Gesamtkosten: rund 36 Mio €. Rund 40 % davon, also etwas über 14 Mio € sollen aus den Velberter Kassen (Stadt und TBV) kommen. Mit anderen Worten: mindestens 14 Mio € neue Schulden!

Alle diese geplanten Maßnahmen sind sicher gut gemeint, vieles klingt auch sinnvoll. Aber insgesamt entsteht der Eindruck, hier hat jemand einmal quer durch die stadtplanerische Werkzeugkiste gegriffen und gesagt: "Wir nehmen alles!". 

Das gesamte Konzept ist übrigens öffentlich verfügbar und kann online im Ratsinformationssystem abgerufen werden (www.velbert.de). 

Dabei liegt das eigentliche Problem der Unterstadt offen zutage. Man muss nicht lange suchen. Ein Spaziergang über die untere Friedrichstraße reicht. Dort stehen einige Häuserzeilen, die man, freundlich formuliert, als Problemimmobilien bezeichnen könnte. Und genau in diesen Gebäuden hat sich über Jahre eine hohe Konzentration von Zuwanderern aus Südosteuropa gebildet - oft unter Bedingungen, die weder für die Bewohner noch für das Umfeld gut sind. 

Leider wird ja ganz schnell die Keule mit dem Rechtsextremismusvorwurf ausgepackt, wenn man das Problem beim Namen nennt. Das erschwert jede Diskussion. Darum geht es hier aber nicht. Bulgaren und Rumänen sind EU-Bürger und sie können sich niederlassen wo sie wollen. Aber wenn sie von semikriminellen Seilschaften unter menschenunwürdigen Umständen untergebracht und wirtschaftlich wie sozial ausgebeutet werden und damit ein ganzes Stadtviertel nach unten ziehen, dann muss eine Stadt gegensteuern.

Und das ist der Kern der Herausforderung für die Unterstadt. Denn vor dieser Entwicklung war hier alles OK - und ich bin davon überzeugt: ohne diese Problematik ginge es auch ganz schnell wieder aufwärts.

Umso erstaunlicher ist es, dass dieser Kern im großen Maßnahmenkatalog eher eine Nebenrolle spielt - irgendwo zwischen Beleuchtung des Radweges und der Umgestaltung des Rathausvorplatzes.

Dabei wäre ein klarer, mutiger Schwerpunkt eigentlich naheliegend.

Erstens: Problemhäuser ankaufen (oder aufgrund des neuen NRW-Gesetzes gegen Schrottimmobilien enteignen).

Zweitens: den Bewohnern sozial gerecht über das Stadtgebiet verteilt neue, menschenwürdige Wohnungen anbieten.

Drittens: Problemimmobilien abreißen.

Viertens: vernünftigen Neubau schaffen - mit modernen und bezahlbaren Wohnungen für junge Velberter Familien - und die Infrastruktur im Umfeld aufwerten - also Straßen und Kinderspielplätze sanieren.

Es könnte ein junges, stadtnahes Viertel entstehen mit viel Potential für Einzelhandel, Wirtschaft und Kultur.

Verzichten kann man dagegen auf überflüssige Maßnahmen wie die Umgestaltung des Rathausvorplatzes mit dem Verlust vieler Parkplätze sowie auf zusätzliche soziale Einrichtungen (wir haben schon zwei in der Unterstadt: das Stadtteilteam und ein spezielles Beratungsbüro für die Migranten aus Südosteuropa). Und erst recht auf teure Berater und "Projektsteuerer".

Ich habe das mal durchgerechnet. Mein Vorschlag kostet immer noch stolze 20 Mio € und 5 Mio € davon müsste Velbert nach wie vor selber stemmen. Immer noch viel Geld, aber 9 Mio € weniger Neuverschuldung als beim vorliegenden Konzept, das dem Stadtrat vorliegt. 

Der entsprechende Vorstoß der Wählergemeinschaft VELBERT ANDERS wurde im zuständigen Fachausschuss allerdings lediglich von der UVB und der AfD positiv begleitet, ansonsten abgelehnt. Davon ist leider auch am Dienstag im Rat auszugehen.

Vielleicht besinnt man sich aber auch noch, denn kurz vor Beratung dieses Konzept legt der Stadtkämmerer den Entwurf des Haushaltes und des neuen Haushaltssicherungskonzeptes auf den Tisch. Und die Begegnung mit der harten Realität hat ja schon oft Vernunft und Augenmaß gefördert. Es sei denn, man verschließt die Augen vor dieser Realität..... .

Ich bin gespannt auf Ihre Anregungen und Ihre Kritik. Wie immer gerne ganz altmodisch per mail an freitag@velbert-anders.de oder als Kommentar auf den Seiten der Wählergemeinschaft VELBERT ANDERS in den sozialen Medien.

Bis bald!

Ihr

Stefan Freitag 

 

 



© www.velbert-anders.de   Freitag, 20. März 2026 06:00 Freitag

30 Jahre Wählergemeinschaft "VELBERT anders"

Lokal verankert. Seit der Gründung am 26. April 1994 sind wir in Velbert verankert. Als erste, ausschließlich für die Orts- bzw. Stadtteile Langenberg, Neviges, Tönisheide und Velbert tätige, freie Wählergemeinschaft haben wir hier unsere Basis und prägen die Politik für die Velberter Bürger ohne ideologische Vorbehalte mit. Die Überlegungen, die vor drei Jahrzehnten zur Gründung von „VELBERT anders“ geführt haben, sind nach wie vor aktuell: Bürgernähe, konstruktive Mitarbeit auf kommunaler Ebene, anstelle lautsprecherischer Polemik allein zu Wahlkampfzeiten, ideologisch unabhängig und keiner Landes-oder Bundesregierung verpflichtet. -anders eben!
© 2026 Wählergemeinschaft VELBERT anders, Alle Rechte vorbehalten. Impressum | Datenschutz Anmelden